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Caritas und Festo arbeiten gemeinsam zukunftsorientiert

Patrick TPatrick T. mit einem der fertigen Kolben für die Firma Festo. Michael Hellstern

Vorsichtig steckt Patrick T. den Dichtring auf den Kolben auf. Sitzt der Ring auch richtig? Behutsam stellt er die Schraube in eine spezielle Aufnahmevorrichtung, genannt Tray. Arbeiten wie diese übernimmt die Neckartalwerkstatt (NTW) des Caritasverbandes für Stuttgart e.V. für die Firma Festo, die weltweit führend in der Automatisierungstechnik ist. Die NTW bietet in Stuttgart-Obertürkheim erwachsenen Menschen mit Behinderung Arbeitsangebote, bei denen sie ihre Fähigkeiten einsetzen und weiterentwickeln können. Seit neuestem gibt es dort zwei weitere Festo-Arbeitsgruppen, sodass mittlerweile insgesamt knapp 50 NTW-Beschäftigte für den Kunden arbeiten. In der NTW lässt Festo seit über 10 Jahren unter anderem Kolben, Blindstopfen und Magnetdeckel fertigen, Kartonage-Wagen konfektionieren und weitere Kleinteile zusammenstecken. "Festo ist inzwischen unser wichtigster Auftraggeber", betont Fertigungsleiter Harald Hellstern.

Die einzelnen Arbeitsaufgaben sind sehr vielfältig. Auch für die körperlich Schwächsten im Förder- und Betreuungsbereich gibt es Aufträge, die diese trotzdem fehlerfrei und gewissenhaft durchführen können. Daneben werden aber auch anspruchsvolle Aufgaben erledigt, die spezielle feinmotorische Fähigkeiten benötigen. "Wir müssen zum Beispiel einen Aufkleber auf eine Abdeckplatte kleben", erklärt Harald Hellstern. "Dabei muss alles staubfrei bleiben und darf keinerlei sonstige Verschmutzungen aufweisen. Man denkt gar nicht, wie viele kleinen Haare der Mensch jeden Tag verliert, zum Beispiel aus den Augenbrauen." Deshalb müssen die Beschäftigten vor den Pausen alle Behälter luftdicht verschließen und ihre Arbeitsfläche stets penibel sauber halten.

Nach der Kontrolle schweißt ein Mitarbeiter die Blister mit den Kolben in Folie ein. Die Schrauben werden später bei Festo in Ventile eingebaut, die zum Beispiel für den Schließmechanismus einer Tür benötigt werden. 2500 bis 3000 Kolben werden pro Tag fertig. Zweimal am Tag verlässt ein LKW einer Spedition die NTW in Richtung Festo.

Patrick T. hat sich inzwischen bereits einem neuen Auftrag zugewendet: "Mir gefällt, dass die Arbeit so abwechslungsreich ist. Bei den verschiedenen Teilen für Festo ist für jeden von uns etwas dabei, das wir meistern können."

 

Über die Neckartalwerkstätten (NTW):

Die NTW sind eine Einrichtung zur Eingliederung behinderter Menschen in das Arbeitsleben. Sie bieten denjenigen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, einen Arbeitsplatz oder Gelegenheit eine geeignete Tätigkeit auszuüben. Wesentliche Aufgabe der Werkstatt ist es, den behinderten Menschen eine angemessene berufliche Bildung zu vermitteln, eine Beschäftigung anzubieten und bei Eignung den Übergang in die Arbeitswelt zu ermöglichen.

In den letzten Jahren konnten viele Arbeitsangebote innerhalb und außerhalb der Werkstatt geschaffen werden. In den Räumlichkeiten in Stuttgart-Obertürkheim gibt es Arbeitsplätze sowohl im Produktions- als auch im Dienstleistungsbereich. Daneben sind Werkstattgruppen oder einzelne Außenarbeitsplätze in gewerbliche Betriebe ausgelagert, in Beschäftigungsprojekte und in Integrationsfirmen. Behinderte Menschen erhalten so die größtmögliche Nähe zum Allgemeinen Arbeitsmarkt und auch die Chance, dort eine Anstellung zu finden.