Bericht

Internationales Fest

Putin und die Gerechtigkeit

Auf dem Bild zu sehen sind der Kabarettist Alexej Boris, der Caritas Vorstand Uwe Hardt und Doktor Klaus Obert - Leiter des Bereichs Sucht- und Sozialpsychiatrische Hilfen Kabarettist Alexej Boris in Gestalt des russischen Präsidenten Putin

Um Griechenlands Schulden für Deutschland einzutreiben, bot er an, sein "Expertenteam von Moskau Inkasso" nach Athen zu schicken. Für die Lösung des Problems "Migranten, Terrorismus, Flüchtlinge" hatte er seine Freunde aus der Türsteherszene für den Einsatz an den Grenzen parat. Und der schlechten Wahlbeteiligung würde er einen kostenpflichtigen Eintritt in die Wahllokale entgegensetzen, um dann kurzfristig doch den kostenfreien Eintritt zu gewähren - und dann kämen die Deutschen schon. Für "die drei größten deutschen Probleme" formulierte Kabarettist Alexej Boris in Gestalt des russischen Präsidenten Putin, nun ja, recht schlichte Lösungen. Beim "Weißwurscht-Talk" am Sonntag im Rahmen des Internationalen Fests der Caritas am Berger Festplatz griff Boris immer wieder in die Klischeekiste - und das alles nur zur Rettung der Demokratie, wie er betonte. Allerdings sieht diese nach seinem Verständnis etwas anders aus: Ein Obdachloser und ein Vorstandsvorsitzender mit gleichen Rechten? Ja, wo käme man denn da hin!

Dem Putin’schen Demokratieverständnis halfen, moderiert von Anja Dargatz (Fritz-Erler-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung), Caritasvorstand Uwe Hardt und Dr. Klaus Obert, Leiter des Bereichs Sucht- und Sozialpsychiatrische Hilfen im Caritasverband, etwas auf die Sprünge. So meinte Uwe Hardt, angesprochen auf die Schnelllösungen aus Moskau, dass wir froh sein könnten, in einem Rechtsstaat zu leben, in dem um Meinungen gerungen wird und Vorschläge diskutiert werden. Auch wenn das mal seine Zeit dauert. Und Klaus Obert sagte, dass es mit einfachen Antworten, die das Volk umgarnen wie ein Rattenfänger, eben nicht getan sei. Und schließlich habe hierzulande jeder die Möglichkeit, dazu beizutragen, dass sich die Demokratie weiterentwickelt. Diese Möglichkeit sollte auch jeder nutzen. Und was ist mit Gleichstellung von Obdachlosem und Vorstandsvorsitzendem? Auch in dem Punkt holte sich Putin eine Abfuhr ein: "Absoluter Quatsch - dieser Propagandatrick", sagte Uwe Hardt. Schließlich gehören zur Gesellschaft alle. Populismus fängt für ihn da an, wo man beginnt, über Menschen zu urteilen und sie von Grundrechten ausschließen wolle. Und Klaus Obert: "Die unantastbare Würde des Menschen muss für uns die große Klammer bleiben." 

Putin zog beleidigt, aber wohl offensichtlich doch geläutert ab - verteilte er doch zum Schluss noch Demokratie-Gutscheine, auf denen er zur Teilnahme an der Bundestagswahl und zum Mitreden an politischen Entscheidungen aufruft. Und für Rückfälle überreichte ihm der Caritas-Vorstand noch ein Exemplar der Publikation zum 100. Geburtstag, den der Caritasverband für Stuttgart in diesem Jahr feiert. Darin kann er dann nachlesen, was Gerechtigkeit bedeutet.

Rund um den "Weißwurscht-Talk" wurde beim Internationalen Fest wieder drei Tage lang gefeiert. Im Festzelt wartete auf die Besucher vor allem viel Musik: So präsentierten sich auf der Bühne Künstler aus aller Herren Länder - angefangen von afghanischen Tänzern über brasilianische Musiker bis hin zum Rapper aus Syrien. Auch Kinder mit und ohne Behinderung mischten begeistert mit auf der Bühne. Daneben gab es ein buntes Mitmachprogramm für die Kinder, einen Kunsthandwerkermarkt mit Produkten aus mehreren Caritas-Einrichtungen und kulinarische Leckereien aus verschiedenen Ländern - von der Maultasche bis zum Falafel. "Vielfalt grenzenlos" eben. Ganz nach dem Motto bei unserem diesjährigen Fest. Und natürlich gilt: Fortsetzung folgt.